Klingende Brücke

Josef Gregor, Gründer der Klingenden Brücke

Josef Vinzenz Gregor, genannt “Sepp”
* 9.9.1903 in Wien † 5.3.1987 in Bonn

Sepp Gregor wurde in das Wien der k.u.k. Monarchie, diesen kulturreichen Schmelztiegel, hineingeboren. Nach dem Studium der klassischen Philologie in Wien und Frankfurt und diversen Stationen in Frankfurt und St. Gallen geriet er in russische Kriegsgefangenschaft, aus der er 1949 entlassen wurde.

Danach war er in Plön als Leiter der dortigen Heim-VHS tätig und begann das Singen mit Studierenden. Anschließend zog er nach Essen und versammelte dort Freunde und junge Menschen um sich, die von ihm – anders als beim einseitigen Liedgut des BDM und HJ – ganz neue Lieder lernen konnten und wollten.

DSepp Gregor, Eine Klingende Brücke, 1953ie Menschen in der Nachkriegszeit durch das Eintauchen in fremde Sprachen, die Musik und Kultur wieder einander näherzubringen, war seine Idee der Klingenden Brücke:
“Was am lebendigsten schwingt, was am echtesten klingt,
am ursprünglichsten dringt aus dem Herzen der Menschen, der Landschaft,
bilde für uns und für euch in dieser und aller Zeit eine klingende Brücke.”

Im Frühjahr 1949 enstand in Essen eine wöchentliche Singrunde, das erste “Liedstudio” – in einem Raum im Kulturinstitut “Die Brücke”, das die Engländer in vielen Städten ihrer Zone eingerichtet hatten. Hier liegt auch der Ursprung des Namens der Klingenden Brücke. Unterstützung durch Freunde, durch die britische, später auch die französische Militärverwaltung, ermöglichten Sepp, Kontakte zu knüpfen und führten Anfang der 1950er Jahre zum Aufbau weiterer Singkreise in Langenberg, Bochum, danach in Frankfurt, Hamburg und Stuttgart. Ab 1953 fanden die ersten Veranstaltungen auf Schloss Annaberg (Bonn) statt. Die von Sepp regelmäßig abgehaltenen Singkreise nahmen Anfang der 1960er weiter zu, weiterhin gab es zusätzliche Wochenend-Singtreffen, größere Jahrestreffen, z.B. auf dem Aschbacher Hof in der Pfalz. Orte der Veranstaltungen waren anfänglich private Wohnungen, dann öffentliche Einrichtungen wie Amerikahäuser, Institute für Auslandsbeziehungen, Schulen oder Volkshochschulen. Es fanden auch damals schon Reisen statt, nach Jugoslawien, in die Mährische Tschechoslowakei, nach Flandern, zum Kloster Marienberg. Sepp Gregor wollte “das Liederbuch Europas mit Leben füllen”.

Die vielen Singkreise oder Liedstudios in Deutschland, Frankreich, Belgien, den Niederlanden  und Österreich betreute Sepp Gregor bis zu seinem Tod im Jahr 1987. Viele Menschen ließen sich von dieser Idee begeistern und haben immer wieder neu den Weg zur Klingenden Brücke gefunden.

 

Lippai steh auf, Liedblatt aus dem Jahr 1957 Liedblatt (1957)
Lippai, steh auf vom Schlaf

 

Veröffentlichungen

Sprachsinn und Menschsein: Festschrift für Josef Gregor zum 80. Geburtstag am 9. September 1983. Ges. der Freunde der Klingenden Brücke e.V., Bonn. Hrsg. von Gert Engel, 1983, 167 S.

Europäische Lieder in den Ursprachen,
Band 1. (1957) und 2. (1960)

 

 

1978 Annaberg. Foto: Karl Dabrowski
GregorSepp1978
1975 Aschbacher Hof. Foto: Ulla Köppen
GregorSepp1975
1966 Kaiserslautern, Aschbacher Hof. Foto: Anke Jensen-Gieler1966 Kaiserslautern, Aschbacher Hof. Foto: Anke Jensen-Gieler
1946 Plön. Gemälde von Alexej von Assaulenko (1913-19189)
GregorSepp1946Assaulenko